RoboCon 2026 - Recap (Do, Konferenz Tag 1)

Dies ist Teil 2 der dreiteiligen Review der RoboCon 2026 in Helsinki.
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Donnerstag: Konferenz Tag 1
Keynote: Community in the age of AI

Miikka Solmela
Miikka Solmela, Executive Director der Robot Framework Foundation, eröffnete die Konferenz und seine Keynote mit einer Frage: Welchen Einfluss hat kĂŒnstliche Intelligenz auf die Entwicklung der Community?
Der Graph, den Miikka prĂ€sentierte, war bedenklich: Die Zugriffe auf die Robot-Framework-Homepage gehen zurĂŒck.
Konkrete Daten aus Slack liegen zwar nicht vor â doch die Vermutung liegt nahe, dass sich ein Ă€hnlicher Trend dort fortsetzt.
Der Grund: Bevor es KI gab, suchten wir anders nach Lösungen - heute ist die “Lösung” nur noch einen Prompt entfernt. Es besteht die Gefahr, dass sich Menschen nicht mehr ĂŒber Probleme austauschen, sondern sich direkt an der KI bedienen.
Doch das Arbeiten an einer Herausforderung gehört zum Lernprozess.
Der Dialog mit anderen, das gemeinsame Ringen um Lösungen â das formt VerstĂ€ndnis auf eine Weise, die eine unmittelbare KI-Antwort nicht leisten kann.
Miikka machte ausdrĂŒcklich klar: Er wolle AI nicht verteufeln.
Doch er mahnte zur Vorsicht. Wenn wir AI nicht weise einsetzen, riskieren wir, dass die Community, so wie wir sie heute kennen, nicht mehr fortbestehen wird. Die Community ist der gröĂte Schatz â und sie könnte unter unreflektiertem KI-Einsatz stark leiden.
Seine Botschaft war ein Aufruf zum bewussten Umgang:
- AI als Werkzeug verstehen, nicht als Ersatz fĂŒr den Austausch.
- Bequemlichkeit darf nicht dazu fĂŒhren, dass wir den Kontakt zur Community meiden.
- Das Miteinander, das gegenseitige Lernen, Herausfordern und UnterstĂŒtzen ist es, was das Robot-Framework-Ăkosystem stark macht.
đ Fazit:
Eine Eröffnung, die nachdenklich stimmte und den Ton fĂŒr die Konferenz setzte: Technologie ist mĂ€chtig â doch es ist an uns, sie so zu nutzen, dass sie verbindet, statt zu isolieren.
The RoboCon Effect And The Power Of Contributing
Gabriela Simion und Christoph Singer (beide Imbus AG)

Christoph Singer

Gabriela Simion
Die PrĂ€sentation der beiden erzĂ€hlte eine Geschichte, die in der Robot-Framework-Community Resonanz gefunden haben dĂŒrfte: zwei Anwender werden zu Maintainern.
Gabriela Simion und Christoph Singer beschrieben ihre persönliche Reise, wie der Besuch der RoboCon sie inspirierte, nicht nur Nutzer von Robot Framework zu bleiben, sondern aktive Contributor und schlieĂlich Maintainer der AppiumLibrary zu werden (siehe Community Day).

Im letzten Jahr haben sie das Ruder ĂŒbernommen und gerade Version 3.0 der AppiumLibrary veröffentlicht.
Die zentrale Botschaft war nicht neu. Aber sie ist immer noch dringend nötig: Die RoboCon ist mehr als eine Serie von PrÀsentationen.
Sie ist ein Raum, in dem Menschen zusammenkommen, Ideen austauschen, neue Perspektiven entdecken, und einander ermutigen, gröĂer zu denken.
Das ist auch meine Erfahrung: Ich sehe die RoboCon als Katalysator fĂŒr persönliche und berufliche Entwicklung, die wiederum auf das Ăkosystem von Robot Famework einzahlt.
Ein Kerngedanke der PrĂ€sentation war die Wichtigkeit individueller Beteiligung â die Idee, dass jeder, unabhĂ€ngig von Erfahrung oder Hintergrund, etwas Wertvolles zum Ăkosystem beitragen kann.
Das erinnerte mich an Ed Manloves “Law of 2 Feet”: Bewege dich einfach zu den Orten, wo du lernen und beitragen kannst.
Gabriela und Christoph verkörpern dieses Prinzip perfekt.
Gabriela erzĂ€hlte, wie sie zu Beginn einen Library-Entwickler fragte: “Wie viel Erfahrung als Python-Entwickler braucht es, Maintainer einer Library zu werden?”
Seine Antwort war prĂ€gnant und ermutigend: “Just start. Start small and learn by doing it.”
Christophs Weg reichte weiter zurĂŒck: 2019 sammelte er am Community Day der Robocon erste Erfahrungen in der Library-Entwicklung an der WhiteLibrary . Als er dann spĂ€ter vor der Aufgabe stand, die AppiumLibrary mit den vielen offenen Issues auf Vordermann zu bringen, war er unsicher, ob er geeignet dafĂŒr war.
Doch Ed Manlove sprach ihm gut zu und machte neuen Mut.
Ein subtiler, aber wichtiger Moment: Die Community unterstĂŒtzt sich selbst.
Durch ihre Geschichte zeigten Gabriela und Christoph die greifbaren Vorteile von Community-Engagement: ein erweitertes Netzwerk, Verbesserung des technischen VerstĂ€ndnisses, öffentliche Anerkennung, und nicht zuletzt das tiefe GefĂŒhl, Teil von etwas zu sein, das gröĂer ist als man selbst.
Als sie gefragt wurden, wie es sich anfĂŒhlte, das erste Release zu bauen, antworteten sie schlicht:
“Nervös, aber unbeschreiblich… Man ist stolz, dass man hier nun seinen Namen stehen sieht.”
Diese Antwort traf den Kern dessen, worum es in diesem Vortrag ging: Beitragen bedeutet Zugehörigkeit.
đ Mein Fazit: Der Vortrag war ein kraftvoller Reminder: Die echte StĂ€rke des Robot-Framework-Ăkosystems liegt nicht am Geldbeutel einzelner Firmen â sie liegt in der Zusammenarbeit, dem gegenseitigen Vertrauen und der kollektiven Anstrengung der Community-Mitglieder.
Let’s play a game!

Yuri Verweij
Yuris PrĂ€sentation stellte die interaktiven Elemente der Konferenz vor, die ĂŒber die Gridaly Conference Companion App organisiert wurden.
Ziel war es, die Konferenz-Teilnehmer zur aktiven Beteiligung und zum Networking zu motivieren, ĂŒber ein gamifiziertes System mit Badges, Aufgaben und Robot-Stickern.
Teilnehmer erledigen verschiedene Tasks (z.b. Besuch der Sponsor-StĂ€nde), um Belohnungen zu sammeln. Der Hauptpreis: ein Freiticket fĂŒr die RoboCon 2027.
Da ich dieses Jahr Checkmk als Gold-Sponsor vertreten durfte, kann ich bestÀtigen: Die Gamification ist wirklich nicht zu unterschÀtzen.
Sie bringt die Leute zueinander und lÀsst sie ins GesprÀch kommen. Ich hatte viele sehr gute fachliche GesprÀche am Checkmk-Stand.

RF-MCP: Say It, Test It, Ship It

Many Kasiriha
Many Kasiriha stellte in seiner Session sein Projekt (RF-MCP) vor â eine Lösung fĂŒr ein fundamentales Problem beim Einsatz von Large Language Models (LLMs) in der Testautomatisierung: deren Neigung zu “halluzinieren”, also nicht existierende Keywords/Libraries zu erfinden oder logisch fehlerhafte Testschritte zu generieren.
RF-MCP ermöglicht es dem Benutzer, ein Testszenario in Prosa zu schreiben und am Ende Gegenzug ausfĂŒhrbare Robot Framework-Tests zu erhalten.
Dazwischen passiert etwas magisches: Jeder generierte Testschritt wird vom MCP-Server tatsĂ€chlich mit Robot Frameowrk ausgefĂŒhrt und verifiziert, bevor der finale Code entsteht.
So wird sichergestellt, dass die KI ausschlieĂlich validierte Keywords verwendet, die auch tatsĂ€chlich in den verfĂŒgbaren Libraries und Resources des Projekts existieren - und dass am Ende tatsĂ€chlich lauffĂ€higer Automatisierungscode entsteht.
RF-MCP unterstĂŒtzt inzwischen die Keywords von
- Browser Library + SeleniumLibrary
- AppiumLibrary
- RequestsLibrary
- DatabaseLibrary
- Django-basierte web frontends
đ Fazit:
Ich bin zwar bisher niemandem begegnet, der den MCP-Server bereits produktiv zur Testerstellung nutzt.
Doch das sollte eine Sache nicht verschleiern: Many hat hier echte Pionierarbeit geleistet, und dies ist erst der Anfang einer groĂen Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist.
Wer glaubt, KI werde “niemals” in der Lage sein, Tests so gut zu schreiben wie ein Mensch, wird in einigen Jahren vielleicht schon eines Besseren belehrt.
NatĂŒrlich frage auch ich mich, wohin das alles fĂŒhren wird.
Doch die besten Antworten auf solche Fragen findet man, indem man sich dem Thema mit offenem Geist nÀhert.
Ganz einem Zitat von Wayne Dyer folgend:
“If you change the way you look at things, the things you look at change.”
Bleibt aufgeschlossen und neugierig! đ
Kann KI uns helfen, Bugs in Robot Framework schneller zu finden?

Fabian Streitel
Fabian Streitel berĂ€t seit ĂŒber zehn Jahren seine Kunden im Bereich der Testautomatisierung. Er prĂ€sentierte einen faszinierenden Ansatz fĂŒr ein Problem, das viele Teams mit groĂen Testsuites kennen: Wie kann man möglichst schnelles Feedback liefern, wenn die vollstĂ€ndige TestausfĂŒhrung Stunden oder gar Tage dauert?
Die Kernidee seiner PrĂ€sentation: statt die gesamte Testsuite zu durchlaufen, clustert man Tests und wĂ€hlt die zur AusfĂŒhrung aus, die in einem vektorbasierten Raum möglichst weit voneinander entfernt sind - quasi ein “intelligenter Smoke-Test” đ

Auf diese Weise wird verhindert, dass die Testroutinen wiederholt redundante Pfade im Code durchlaufen, wÀhrend andere Bereiche noch ungetestet bleiben.
Fabian zeigte, wie er mittels sogenanntem Mutation Testing gezielt hunderte von Bugs in den Robot-Framework-Quellcode (als Testkaninchen) eingebracht hatte â ein kontrollierbares Testszenario, um die EffektivitĂ€t seines Ansatzes zu beweisen.
Traceable Automation in Space Projects

Bruno Néstor Calvo Chevillat

JosĂ© MarĂa MartĂn BlĂĄzquez
Allein der Titel verfing schon bei mir! đȘ đ
In einem hochregulierten Umfeld, wo jeder Fehler katastrophale Folgen haben kann, gelten Anforderungen an Testautomatisierung, die weit ĂŒber typische Web- oder App-Szenarien hinausgehen.

Bruno und José zeigten, wie sie Robot Framework als zentrales Element ihrer Testautomatisierung etabliert haben, eng verzahnt mit Requirements-Management-Tools wie IBM DOORS.
Die Herausforderung bestand darin, eine bidirektionale Synchronisation zwischen Anforderungsdefinitionen, Testprozeduren und deren Implementierung zu schaffen. So kann jeder einzelne automatisierte Testfall direkt auf eine spezifische Anforderung zurĂŒckverfolgt werden â eine durchgĂ€ngige Kette der Nachvollziehbarkeit, wie sie in derart sicherheitskritischen Systemen wie der Raumfahrt zwingend erforderlich ist.
Die PrĂ€sentation beleuchtete dabei nicht nur die technische Integration, sondern auch die organisatorischen Konventionen, die in einem solchen Umfeld natĂŒrlich unverzichtbar sind.
GlĂŒcklicherweise erfĂŒllt Robot Framework die regulatorischen Standards und strikten Vorgaben der Luft- und Raumfahrtbranche fĂŒr Dokumentation, Tagging und Reporting.
Die Sprecher teilten auch offen ihre Lessons Learned â von Fallstricken bis zu konkreten Empfehlungen fĂŒr andere, die Automatisierung in regulierten oder sicherheitskritischen Industrien einfĂŒhren möchten. Es war deutlich zu spĂŒren, dass die beiden aus jahrelanger Erfahrung berichteten.
đ Fazit: Der Vortrag machte klar, dass die Einfachheit und Erweiterbarkeit von Robot Framework keineswegs auf einfache Szenarien beschrĂ€nkt ist â im Gegenteil.
Mit der richtigen Disziplin und einem durchdachten Framework lÀsst sich mit Robot Framework auch in den anspruchsvollsten technischen Umgebungen eine robuste, nachvollziehbare Automatisierung aufbauen. Selten bekommt man Einblick in derart sensible, hochsichere Bereiche.
Keyword-Driven Performance Testing Without Manual Scripting

Rakan Alrasheed

Abdulelah Alharabi
Die beiden Sprecher prĂ€sentierten eine innovative Architektur, die ein hĂ€ufig ĂŒbersehenes Problem adressiert: die Trennung zwischen funktionalen Tests und Performance-Tests. Ihr Ansatz eliminiert diese LĂŒcke, indem er Robot Framework als “Source of Truth” fĂŒr beide Testszenarien etabliert.
Die Kernidee: Funktionale Testszenarien, die bereits in Robot Framework definiert sind, werden automatisch in Locust-Skripte ĂŒbersetzt â ein leistungsstarkes, Python-basiertes Load-Testing-Tool.
Was normalerweise manuelles Scripting und spezialisiertes Wissen erfordert, wird hier durch ein keyword-basiertes, intent-getriebenes System ersetzt.
Der Vortrag machte deutlich, dass die Wiederverwendbarkeit von Testdefinitionen ein oft unterschÀtzter Hebel ist.
Wenn Teams ihre funktionalen Tests als Grundlage fĂŒr Performance-Tests nutzen können, entsteht nicht nur Effizienz â es entsteht auch eine engere Verzahnung zwischen QualitĂ€tssicherung und Performance-Engineering - in modernen Entwicklungszyklen unverzichtbar.
Automated Accessibility for “Very Busy” Teams

Lalitkumar Bhamare

Affaf Malik
Ăber 90% (!) der eine Million meistbesuchten Websites weisen Accessibility-Probleme auf.
Das stellt nicht nur ein technisches, sondern auch ein geschĂ€ftliches, rechtliches und ethisches Problem dar: Nutzer, die auf assistive Technologien angewiesen sind, stoĂen tĂ€glich auf Barrieren.
Das liegt nicht einmal daran, dass Teams das Thema “Accessibility” unbedingt ignorieren wollen. Sondern weil sie schlicht nicht die KapazitĂ€t, das Budget oder auch manchmal das spezialisierte Wissen haben, um umfassende manuelle Tests dafĂŒr durchzufĂŒhren.
Affaf und Lalitkumar zeigten eine “Shift-Left”-Strategie auf (wobei “left” = “frĂŒher”), die Accessibility-Testing ganz vorn im Entwicklungszyklus verankert.
In ihrem Ansatz gliedert sich das in drei Ebenen:
- Auf Entwicklungsebene können Probleme bereits erkannt werden, bevor ĂŒberhaupt automatisierte Tests geschrieben werden. VerstöĂe wie etwa fehlende “alt”-Texte oder inkorrekte ARIA-Attribute können die Entwickler direkt beim Coding erkennen und korrigieren.
- Auf Testebene integriert Robot Framework Tools wie axe-core und nahtlos in funktionale und Regressionstests. Accessibility-Checks sollen damit Teil des tĂ€glichen Testings werden â ohne zusĂ€tzlichen manuellen Aufwand.
- Auf Prozessebene werden die Tests in CI/CD-Pipelines eingebunden. Erkannte Issues können automatisch getrackt und mit Development-Tasks verknĂŒpft werden, sodass kontinuierliche Validierung stattfindet und Regressionen vor dem Deployment verhindert werden.
Die zentrale Botschaft der Session war klar: Accessibility-Automatisierung ist nicht nur ein Werkzeug zum AufspĂŒren von VerstöĂen â sie verdient ein nachhaltiges System, in dem Technologie aktiv DiversitĂ€t und Nutzbarkeit unterstĂŒtzt.
Aber auch die Kehrseite beleuchteten die beiden: “accessibility can backfire”, wenn sie falsch implementiert wird oder wenn automatisierte Checks ein falsches SicherheitsgefĂŒhl vermitteln, ohne die tatsĂ€chliche Nutzererfahrung zu berĂŒcksichtigen.
Allzu leichtfertig wird das Thema nÀmlich einfach nur abgehakt - und Jahre spÀter kann sich kaum einmal mehr jemand an die Rahmenbedingungen erinnern.
Automation with Image Recognition Libraries

Hélio Guilherme
HĂ©lio Guilherme ist eine KoryphĂ€e auf dem Gebiet der bildbasierten Testautomation. Seit 2008 schon arbeitet er mit Robot Framework â zunĂ€chst bei Nokia Networks in Lissabon â und ist heute Lead Developer und Maintainer der Robot Framework-IDE RIDE sowie Maintainer der SikuliLibrary.
Mit einem Augenzwinkern beschreibt er sich selbst als jemanden, der nicht weiĂ, ob er “ein Software Tester ist, der gerne Software Development macht, oder ein Software Developer, der gerne Software Testing macht”. đ
Seine Session bot eine fundierte vergleichende Analyse zweier prominenter Image-Recognition-Libraries fĂŒr Robot Framework: SikuliLibrary und ImageHorizonLibrary.
Diese Libraries sind bei Desktop-Tests unverzichtbar, wenn API-basierte Technologien nicht verfĂŒgbar sind â etwa bei Legacy-UIs oder RDP/Citrix-Verbindungen.

Sikuli
SikuliLibrary basiert auf dem Java-Framework SikuliX und nutzt Robot Framework Remote, um Python-Funktionen mit den Java-Libraries zu verbinden.
Ein wesentlicher Vorteil: Sie bietet Optical Character Recognition (OCR) â Texterkennung direkt aus Bildern.
Der Workflow: Library importieren, Server starten, Pfad zu Referenzbildern definieren, Application Under Test (AUT) starten, Interaktionen durchfĂŒhren (Maus, Tastatur, Bildabgleich, OCR), Server stoppen.
Mit 78 Keywords ist sie ĂŒppig ausgestattet. Der Haken: Man benötigt eine Java Runtime Environment im System.
ImageHorizonLibrary
Die ImageHorizonLibrary hingegen setzt auf native Python-Module wie pyautogui und optional opencv-python fĂŒr prĂ€zisere Bilderkennung (erlaubt dann auch einen prozentualen “Similarity”-Wert).
Sie ist schlanker â 34 Keywords â und verzichtet auf OCR-FunktionalitĂ€t.
Der groĂe Vorteil: Kein Java-Overhead, direkter Einsatz möglich. Der Workflow Ă€hnelt dem der SikuliLibrary, nur ohne Server-Komponente.
Vergleich
Beide Libraries sind betriebssystemunabhĂ€ngig, erfordern aber konsistente Bildschirmauflösungen fĂŒr reproduzierbare Tests.
Anmerkung aus meiner Erfahrung: das primĂ€re Problem bei der Bilderkennung ist nicht die Auflösung. Ein 80x30 Pixel groĂer Button hat diese Abmessungen auf einem 800x600px Display wie auf einem 4K-Display - es bleiben 80x30 Pixel.
Viel mehr Einfluss auf die TeststabilitÀt hat, wie die Anwendung ihr Layout unter verschiedenen Auflösungen, oder sagen wir besser, Platzbedingungen, Àndert.
Denn dann kann es sein, dass z.b. bestimmte Navigationselemente aus PlatzgrĂŒnden verborgen werden.
Hélio betonte, dass die Wahl der Library vom konkreten Use Case abhÀngt: Braucht man Texterkennung aus Screenshots? Dann SikuliLibrary. Geht es um schlanke, rein Python-basierte Bildvergleiche? Dann ImageHorizonLibrary.
Ein kritischer Punkt, den Hélio ansprach: Die Zukunft der SikuliLibrary hÀngt vom zugrunde liegenden SikuliX-Projekt ab, dessen Maintainer die Entwicklung pausiert hat.
Auch die vollstÀndig in Python integrierte Version sikulix4python, die Autor Raimund Hocke entwickeln wollte, ist leider versandet.
đ Fazit
Was mich besonders freute: Am Dienstag durfte ich Jhoiss Baloi kennenlernen, der die nicht mehr gewartete ImageHorizonLibrary geforkt und inzwischen auch weiterentwickelt hat.
Er hat sogar meinen Pull Request fĂŒr Edge Detection integriert und angekĂŒndigt, die Library unter neuem Namen zu veröffentlichen.
Das ist eine groĂartige Nachricht fĂŒr alle, die auf diese schlanke, Python-basierte Lösung setzen!
Mir persönlich ist der Java-Unterbau der SikuliLibrary zu umfangreich, daher bin ich sehr froh ĂŒber diese Entwicklung.
Integrating Robot Framework in your business strategy

Markus Stahl
Markus Stahls Vortrag adressierte Herausforderungen, die viele Unternehmen kennen:
- Wie lÀsst sich ein Open-Source-Tool wie Robot Framework in klassische Evaluierungsprozesse in Firmen integrieren?
- Vor allem, wenn es keine Firma dahinter gibt, die Enterprise-Support anbietet?
- Wie mitigiert man die Risiken der Adoption eines freien Tools, dessen Ăkosystem auf einer Vielzahl ebenfalls freier Projekte basiert?
Markus zeigte einen fĂŒnfstufigen Plan, der Unternehmen zeigt, wie sie Robot Framework nicht nur nutzen, sondern strategisch in ihr GeschĂ€ftsmodell integrieren können â und dabei gleichzeitig zum eigenen direkten Vorteil zum Ăkosystem beitragen.
Schritt 1: Das Projekt finanzieren (Fund it)
Oft schon sehr frĂŒh stellt sich die Frage: Wer bezahlt eigentlich fĂŒr die Wartung und Weiterentwicklung von Robot Framework?
Markus erklĂ€rte, wie die Robot Framework Foundation arbeitet und wohin das Geld investiert wird â etwa zwei Drittel der Kosten fĂŒr die Konferenz werden durch die Foundation getragen, der Rest durch die Tickets.
Die Herausforderung: Unternehmen von einer Mitgliedschaft zu ĂŒberzeugen ist nicht trivial. Traditionelle Mehrwerte wie SLAs oder Premium-Support fehlen. Zudem wird die Roadmap von der Community und dem Projektzweck definiert, nicht von zahlenden Mitgliedern. Das verstehen nicht alle “Entscheider”.
Schritt 2: Ein Tool/eine Erweiterung beisteuern (Contribute a Tool/Extension)
Irgendwann kommt der Punkt, an dem man selbst eine Erweiterung programmiert.
Unternehmen können nĂŒtzliche Tools, die sie fĂŒr sich entwickelt haben, als Open Source veröffentlichen â prominente Beispiele sind PlatynUI, RoboSAPiens oder KeyTA.
Das Risiko: Wenn mittel- und langfristig keine externen Contributors gefunden werden, muss das Unternehmen dauerhaft Ressourcen fĂŒr ein Nicht-KerngeschĂ€ft-Projekt binden. Beratungsunternehmen haben hier tendenziell einen gröĂeren Anreiz.
Schritt 3: Ein Feature beisteuern (Contribute a Feature)
Statt ein ganzes Tool zu entwickeln, kann man auch gezielt fehlende Funktionen in den RF-Core implementieren und als Pull Request einreichen.
Ein Beispiel: Die Deutsche Flugsicherung hat das RobotFramework-Feature custom test metadata bezahlt und implementieren lassen.
Solche Projekte eignen sich auch hervorragend zur Nachwuchsförderung â Junior-Entwickler sammeln wertvolle Erfahrungen mit Open Source.
Schritt 4: Support anbieten (Offer Support)
Unternehmen können professionellen Support fĂŒr Open-Source-Tools anbieten, von denen sie oder ihre Kunden abhĂ€ngig sind.
Die Leistungen können Tool-Mirroring und die Bereitstellung von Notfall-Fixes im Rahmen von SLAs umfassen.
Diese Fixes sollten anschlieĂend als Beitrag in das ursprĂŒngliche Projekt zurĂŒckflieĂen.
Markus betonte, dass hier die neuen Verordnungen wie DORA und CRA berĂŒcksichtigt werden sollten.
Schritt 5: Offen darĂŒber sein (Be open about it)
Der letzte, oft unterschĂ€tzte Schritt: Offen kommunizieren, dass man Open Source nutzt und unterstĂŒtzt.
Stolz auf die eigene Beteiligung zu sein, inspiriert andere und stĂ€rkt das Ăkosystem.
Markus nutzte die Aufmerksamkeit am Ende seines Vortrags, um eine neue Open-Source-Governance-Arbeitsgruppe zu promoten, die die Expertise der Community sammeln und Empfehlungen fĂŒr Robot Framework und Ăkosystem-Projekte etablieren soll.
đ Fazit
Der Vortrag war eine inspirierende Ermutigung fĂŒr alle, die ihren Arbeitgeber ĂŒberzeugen möchten, mehr in Open Source zu investieren. Mit konkreten, praktikablen Wegen, wie das geschehen kann.
Die Botschaft war klar: Es gibt mehr Möglichkeiten als nur “Sponsorship” oder “Freizeit opfern”.
Medusa: Resource-aware parallel suite execution made easy
Edin TariÄ
Edins Session adressierte ein Problem, das viele Teams mit umfangreichen Testsuites kennen: Wie parallelisiert man Tests effektiv, wenn Ressourcen-Konflikte drohen?
INSYS ist Hersteller industrielle Router, deren Software tagtĂ€glich auf den Devices getestet wird â 1500 Tests, die sequenziell ausgefĂŒhrt bis zu 60 Stunden dauern wĂŒrden!
Ein unhaltbarer Zustand bei tÀglichen Build-Inkrementen.
Hier denkt man natĂŒrlich gleich an Parallelisierung mit pabot. Doch hier stieĂ das Team schnell an Grenzen.

Das Problem: Viele der Testsuites benötigen nĂ€mlich exklusiven Zugriff auf spezifische Ressourcen â etwa ein bestimmtes GerĂ€t im Netzwerk, einen bestimmten Port oder physische Ressourcen wie DSL-Verbindungen, die nicht mehrfach parallel genutzt werden können.
Pabot mit manuell geschriebenen Ordering-Files wurde bei ĂŒber 1000 Tests schnell unĂŒbersichtlich und ineffizient.
Versuche, die Ordering-Datei zu automatisieren, scheiterten: Dynamisches Vermeiden von Ressourcen-Konflikten ist schlicht nicht das, wofĂŒr pabot designed wurde.
Medusa wurde explizit um die Idee von Ressourcen-AbhÀngigkeiten herum entwickelt.
Jede Suite deklariert ihre Ressourcen-AbhĂ€ngigkeiten als Metadaten, und Medusa bestimmt zur Laufzeit automatisch, welche Suites parallel starten können â das maximiert die Zeiteffizienz und vermeidet Konflikte.
ZusĂ€tzlich zu den Dependencies wird jede Suite einer Stage zugewiesen: Stages sind sequenziell ausgefĂŒhrte Gruppen, innerhalb derer die Suites wie beschrieben parallel laufen.
So behĂ€lt man die nötige Kontrolle ĂŒber die Reihenfolge, wo es darauf ankommt.
Suites können mehrfach auch mit unterschiedlichen Variablen ausgefĂŒhrt werden â sogar mit unterschiedlichen Dependencies oder Stages.
Das reduziert Code-Duplikation erheblich, wenn man eine Suite fĂŒr mehrere Targets oder Varianten nutzen möchte.
Technisch funktioniert Medusa also als Wrapper um Robot Framework: Nahezu alle Robot-Optionen werden akzeptiert und an die Prozesse weitergereicht, die die einzelnen Suites ausfĂŒhren.
Das bedeutet: Listener, Pre-Run-Modifiers und andere Erweiterungen allesamt bleiben nutzbar.
Am Ende nutzt Medusa rebot, um die Ergebnisse aller Suites nahtlos zusammenzufĂŒhren â selbst bei massiver Parallelisierung.
đ Fazit:
Perfect Timing, Medusa wurde rechtzeitig vor der RoboCon 2026 als Open Source veröffentlicht.
FĂŒr alle, die mit groĂen Testsuites und Ressourcen-Konflikten kĂ€mpfen, könnte Medusa genau die Lösung sein, auf die sie gewartet haben.
Ein pragmatischer Ansatz, der ein echtes Problem mit einer durchdachten Lösung gut adressiert. Ich fand das System sofort eingÀngig.
From Batter to Better: Pancakes as Testing

Kelby Stine

Elout van Leeuwen
Kelby Stine und Elout van Leeuwen prĂ€sentierten eine der unterhaltsamsten Sessions der RoboCon 2026. Pfannkuchenbacken als Metapher fĂŒr Testautomatisierung â und machten damit abstrakte Konzepte auf erfrischende Weise greifbar.
Die BĂŒhne war entsprechend vorbereitet: Ein Tisch mit Herdplatte, Pfanne, Zutaten â und beide Sprecher in KochschĂŒrzen.
Raunen im Publikum.
Was wird hier gleich passieren?

Die PrÀsentation begann mit einem simplen Bekenntnis:
Beide lieben Pfannkuchen.
Und dann machten sie sich daran, die Teige dafĂŒr mit zwei verschiedenen Rezepturen zuzubereiten â jeder auf seine eigene Art.
Die unterschiedlichen Zubereitungsweisen wurden parallel als Robot-Framework-Pseudocode auf der Leinwand dargestellt.
Ein brillanter visueller Einfall, der die Parallelen deutlich machte.
Netherlands đłđ± meets the US đșđž … Ich persönlich war ja mehr Fan von Elouts schlichtem Rezept â bis auf die ganze Hand voller Salz, die er theatralisch im Scheinwerferlicht staubend in den Teig schmiss đ .
Aber das war natĂŒrlich Teil der Show, denn auf der BĂŒhne durfte aus SicherheitsgrĂŒnden ohnehin nicht tatsĂ€chlich gekocht werden, der Teig diente rein der Demonstration.
Die Kernidee der Session: Es gibt strukturelle Analogien zwischen Kochrezepten und dem Keyword-Driven Ansatz von Robot Framework. Die Keywords beschrieben abstrakt, was zu tun ist, und kapseln die ganzen Details, um die man sich als Tester/Pfannkuchenkoch nicht explizit kĂŒmmert.
Sowohl beim Kochen als auch beim Testen sind Zutaten (Ingredients), Umgebung (Environment), Setup und Arbeitsschritte (cooking steps) zentral.
Beide betonten: “Make sure variables are OK. Otherwise it will break.” â eine Aussage, die natĂŒrlich fĂŒr Teig wie fĂŒr Code gleichermaĂen gilt.
(Gerade erst heute habe ich wieder selbst Brot gebacken und musste beim Teig kneten daran denken đ)
Ein weiteres schönes Detail: Pfannkuchen gibt es ĂŒberall auf der Welt â das reprĂ€sentiert die internationale Community.
Es gibt kein Pfannkuchen-Rezept, das besser ist als ein anderes â genau wie es in der Automatisierung keine Lösung gibt, die fĂŒr alle Szenarien die beste ist.
Auch das Toolset variiert: Manche setzen auf Parallelisierung â visualisiert durch eine groĂe Kochplatte mit vielen Pfannen.
Andere bevorzugen sequenzielle AblÀufe.
Beides ist legitim, beides hat seinen Platz.
Dann zuletzt die Behandlung des Themas Reporting:
“HOW WOULD YOU LIKE YOUR TEST RESULTS SERVED?”
Auf der Leinwand erschienen verschiedene Anrichtvarianten von Pfannkuchen: mit Puderzucker, mit Sirup, mit FrĂŒchten, gestapelt oder einzeln.
Die Botschaft war klar: Testergebnisse können auf viele verschiedene Arten aufbereitet und prĂ€sentiert werden â je nach Zielgruppe und Zweck.
Besonders witzig wurde es am Ende, als Fragen aus dem Publikum kamen - man merkte, wie sich die Fragen gegenseitig ĂŒberboten:
"…When are you taking it to production?"
"…Do you need acceptance testers?"
Und dann setzte René Rohner noch einen drauf: Er untersuchte kritisch den Tisch und meinte dann trocken:
“But it does not seem to be open source â there is no fork.” đ
Fazit:
Das Ganze war kurzweilig, unterhaltsam und gleichzeitig lehrreich.
Die Session stellte heraus, was der Mehrwert von Robot Framework ist: NĂ€mlich, dass es die KomplexitĂ€t von Python abstrahiert und in eine menschenlesbare Sprache ĂŒbersetzt.
Eine wunderbare Art, ernste Konzepte mit Leichtigkeit zu vermitteln.
â ZurĂŒck zu Teil 1 (Dienstag/Mittwoch, Workshop & Community Day)
â Weiter zu Teil 3 (Freitag: Konferenz Tag 2)

